Jagdschutz

JAGDKULTUR


Weidgerecht jagen heißt Kenntnisse über das bejagte Wild zu besitzen, ein guter Schütze zu sein, heißt aber auch zu hegen und die Gedanken des Natur- und Tierschutzes zu pflegen. Überlieferte Jagdkultur und Tradition bewahren und mit der modernen sich stets weiterentwickelnden Welt verbinden. Das jagdliche Brauchtum umfaßt eine Kreis von Sitten und Bräuchen, wie sie zum Teil seit langer Zeit, wenig verändert oder dem Wandel der Zeit angepasst, zum Teil neu entsprechend beim Jagen üblich sind. Gut, wer sie sich in Selbstverständlichkeit aneignet. schlecht, wer sie erlernt und damit prahlt, ohne stille Waidgerechtigkeit in sich zu tragen.

Die Jagd ist eine Leidenschaft, die ein hohes Maß an Fachwissen und handwerklichem Können erfordert. Darüber hinaus bedeutet die heutige Jagd aber auch die Fortsetzung einer langen und bewährten Tradition, die für einen waidgerechten Umgang mit dem Wild steht. Jägersprache, Bruchzeichen, Jagdsignale sowie die Sage um den Hl. Hubertus werden heutzutage in erster Linie mit „jagdlichem Brauchtum" in Verbindung gebracht. 



Der letze Bär im Wechselgebiet

v. Othmar Weichselbaumer

An einem Faschingdienstag wars, da besuchte mich der unlängst verstorbene i. P. Loschek. Wir kamen auf Faschingsbräuche zu sprechen. Da erzählte mir Herr Loschek: "Mein Vatter war Forstmeister imRevier Mariensee bei Aspang. Im Jahre 1878 - ich war damals fünf Jahre alt - rief mich mein Vater in seine Kanzlei und zeigte mir dort ein uraltes, gebeugtes Männlein mit den Worten: ,Das ist der Bachmichel. Schau dir ihn gut an. Der hat den letzten Bär im Wechselgebiet geschossen.' - Später hat mir der Bachmichel die Geschichte öfter erzählt. Ich lassen den Bachmichel selber reden: 

"In meinen jungen Jahre war ich Forstgehilfe in Mariensee. Es mag so um 1818 herum gewesen sein, da führte mich mein Dienstgang auf den Hochwechsel. Plötzlich sehe ich einen gerissenen Ochsen liegen und finde ganz deutliche Bärenspuren daneben. Ich hole die nötigen Werkzeuge, errichte um den Ochsen herum einen Zaun, richte eine Bärenfalle (Schlageisen ) auf und befestige sie mittels starker Kette an einem schweren Bloch. Zeitlich am anderen Morgen steige ich auf. Richtig höre ich schon von weitem Brummen und Kettengerassel. Der Bär hatte sich gefangen. Schon daheim hatte ich meinen Vorderlader Schrot entnommen und dafür grobes, gehacktes Blei geladen. Damit schoss ich nun den Bären nieder. Ganz Mariensee kam nach und half mir , die schwere Last zu Tal zu bringen. Daheim zogen wir den Bären aus. Das Fleisch haben wir gegessen, das Fell schenkte ich dem Grafen Pergen in Aspang. Der ließ es ausstopfen, und zirka 30 Jahre lang war der Bär im Schlosse Aspang zu sehen. Dann wurde das Fell schäbig, und der Graf schenkte es der Aspanger Jugend, die es noch lange bei Faschingsumzügen verwendete." 

Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, dass der Onkel des Forstmeisters Loschek der letzte Kammerdiener des Kronprinzen Rudolf und auch bei der Katastrophe in Mayerling ( 1889 ) dabei war.


 




Konsistorialrat Dechant Peter Riegler 
  
       

Jagd im christlichen Jahrlauf

Für viele Waidkameraden geht mit der Jagd auf den Bock der Klasse III das jägerische Jahr erst so richtig an. Der Jagdleiter seufzt: Hoffentlich kriegen wir die Dreier-Böcke wieder. Im April sieht man sie noch und wenn der Mai kommt, sind sie wie vom Erdboden verschwunden. Ein auch sonst immer ideenreicher Jäger meinte: Und wenn wir es mit einem gemeinsamen Ansitz gleich Anfang Mai probieren? Irgendwo treten sie ja doch, wenn auch nur kurz, aus. Ein alter Fuchs in der Runde meinte: Das habe ich mir auch schon gedacht. Worauf die Skeptiker mit dem Wiegen der Häupter schlagartig aufhörten.

Und unser Feinspitz äußerte: Dann machen wir ein gemeinsames Maibock-Essen! Bei diesen Wildbretpreisen können wir uns das schon leisten. Dass dieser Vorschlag allgemeine Zustimmung fand, hat wohl niemanden überrascht. Tag, Uhrzeit und Treffpunkt waren schnell vereinbart.

Dann kam der Jagdtag. Den ganzen Tag über wechselten Nieselregen und sonnige Abschnitte. Um 19.30 Uhr rückten wir aus. Auch mir kam so ein Böcklein, aber als ich mich zum Schuss richtete, sprang er unvermittelt ab und war nicht mehr zu sehen. Dafür krachte es bei meinem Nachbarschützen. Als wir uns um 22 Uhr wieder trafen, lagen 5 Knöpfler auf der Strecke. Mehr als wir erwartet hatten. Und wann essen wir? erinnerte uns der Feinspitz an seinen Vorschlag. Gut abhängen lassen, meinte unser Fleischhauer. Jeder zückte einen Kalender. Der Förster meinte: Am 13.Mai? Oje, mußte ich einwerfen. Da haben wir die Monatswallfahrt nach Pinggau, die ist jeden 13. eines Monats. Und im Mai ist unsere Pfarre mit der Gestaltung betraut. Na gut, dann am Tag darauf. Das sagte allen zu.

Beim Heimgehen pirschte sich ein alter Waidkamerad an mich heran, um mich über diese Wallfahrten am 13. auszufragen.

Das hat mit Fatima, einem Wallfahrtsort in Portugal zu tun. Am 13. Mai 1917, also während des völkermordenden 1. Weltkrieges erschien die Mutter Gottes den 3 Hirtenkindern Lucia, Francisco und Jacinta und trug ihnen auf, eifrig den Rosenkranz zu beten und in den folgenden Monaten jeweils am 13. wieder zu kommen. 1930 anerkannte der Bischof die Erscheinungen als echt. Von Fatima ging eine religiöse Erneuerung Portugals aus. Eine riesige Basilika wurde an der Stelle der Erscheinungen erbaut. 1942 erfüllte Papst Pius XII den Wunsch der Mutter Gottes, die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen. Francisco und Jacinta waren noch im Kindesalter gestorben und wurden 2000 von Papst Johannes Paul II selig gesprochen. Lucia starb 2005 als Karmelitin im Alter von 97 Jahren.

Große Beachtung fanden die Worte Mariens an die Kinder. Die 1. Botschaft ist eine Vision der Hölle, wenn die Menschen sich nicht bekehren, die 2. sagt den 2. Weltkrieg voraus. Großes Rätselraten herrschte über die 3. Botschaft. Diese wurde in einem versiegelten Umschlag dem Papst übergeben. Papst Paul VI hat die Botschaft gelesen aber nicht veröffentlicht, Papst Johannes Paul II gab den Inhalt nach dem Attentat vom 13. Mai 1981 bekannt. Sie enthält den Aufruf zur Buße und die Weissagung, dass Rußland sich bekehren, und Friede auf der Welt einkehren wird, wenn die Menschen sich Gott zuwenden. Wenn nicht, werde Furchtbares geschehen, beginnend mit dem Attentat in Rom. Der Papst verfügte auch, dass die Kugel aus der Pistole Ali Agcas, die ihn traf, in die Krone der Mutter Gottes in Fatima eingesetzt wurde.

Und unser Maibock-Essen: Es war ein voller Erfolg, allen mundete es hervorragend. Eine Neuauflage im nächsten Jahr wurde vereinbart. Ja, ja, meinte unser Feinspitz: Der Maibock schmeckt halt wirklich besonders. Vor allem mit ein paar Gläschen vom guten Roten.